Höhner-Sänger Henning Krautmacher als Pate-Schüler-AG "LLG bleibt bunt"
Höhner-Sänger Henning Krautmacher als Pate
Schüler-AG "LLG bleibt bunt" gab Anstoß zu "Schule ohne Rassismus"
Opladen (gkf) - Die Festveranstaltung begann mit leichter Verzögerung. Das Landrat-Lucas-Gymnasium sollte den Titel "Schule ohne Rassismus" erhalten, zugleich die Ausstellung "Demokratie stärken - Rechtsextremismus bekämpfen" der Friedrich-Ebert-Stiftung am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium eröffnet werden. Aber viele Schüler wollten erst noch schnell ein Autogramm von Henning Krautmacher haben. Bis Schulleiter Michael Bramhoff die jungen Leute bat, sich vorerst zurück zu halten, damit man beginnen könne.
Der "Höhner"-Sänger war ausnahmsweise nicht in Sachen Karneval in die Schule gekommen. Vielmehr ist er neuer Schul-Pate für das Projekt "Schule ohne Rassismus". Das LLG hatte Glück, denn kurz nach der Anfrage von Seiten der Schüler wurde die gleiche Bitte einer weiteren Schule an den gebürtigen Leverkusener gerichtet. Er musste aus Zeitgründen ablehnen. Im LLG, so Krautmacher, will er sich "einbringen und mitmischen, das ist mein fester, erklärter Wille."
Zum Auftakt der Zeremonie spazierten Schüler der Klasse 9a mit Schildern wie "Ausländer raus" oder "Deutschland den Deutschen" durch die Aula. Was war das denn? Man dürfe nicht so naiv sein zu glauben, dass Schule von heute auf morgen ohne Rassismus sei, verdeutlichte Moderator und Beratungslehrer Stefan Schlieren. Es gehe vielmehr darum, dass sich die große Mehrheit sich von Rassismus distanzieren wolle. Bevor Bramhoff kurze Zeit später die Ehrengäste aus Wirtschaft und Verwaltung begrüßte, hieß er erst noch die Schüler willkommen, die das Projekt "Schule ohne Rassismus" auf die Beine stellten. Er erklärte, wie es dazu gekommen ist: Vor etwas mehr als einem Jahr hatte sich eine Arbeitsgruppe von 15- und 16-jährigen Schülern den Namen "LLG bleibt bunt" gegeben. Sie wollten in erster Linie ein Zeichen setzen gegen die Aktivisten von pro NRW, die vor dem Schulgelände Flyer mit übler, ausländerfeindlicher Propaganda an die Schüler verteilten. Die Empörung darüber war groß, verdeutlichte Bramhoff. Zu seinem Bedauern habe man jedoch keine rechtliche Handhabe, dagegen vorzugehen, solange diese Hetze außerhalb des Schulgeländes passiere.
Die Tatsache, dass dieses Problem weiter aktuell sei, zeige sich auch darin, dass noch am Morgen der Feier ein Flyer mit Ausländer- und islamfeindlichen Hetzparolen verbreitet wurde. Darin wurde die Schule der Intoleranz beschuldigt. Bramhoff weiter: "Es wäre an der Zeit, dass Kommunen und Bezirksregierung Köln ihre Schulen schützen und Strafanzeige wegen Volksverhetzung stellen." Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn versprach bei seiner Ansprache, sich auf jeden Fall um eine solche Anzeige zu kümmern.
Zurück zu den Anfängen des Projekts: Die Schüler-AG schlug vor, ein großes Banner zu erstellen, auf dem Schüler und Lehrer durch ihren bunten Handabdruck ein Bekenntnis zu Integration und Freundschaft sowie gegen Intoleranz und Rassismus abgeben sollten. Gesagt, getan. Mehr als 1500 Schüler und Lehrer beteiligten sich und befestigten das Zeichen an der Fassade der Schule. "Mittlerweile ist dieses Banner zum Wahrzeichen unserer Schule geworden, und wir sind alle mächtig stolz darauf", sagte der Schulleiter.
Zugleich verpflichteten sich die Aktivisten, an ihrer Schule gegen jede Form von Gewalt und Diskriminierung vorzugehen, nachhaltige Konzepte gegen Rassismus zu entwickeln und einmal im Jahr ein Projekt gegen Diskriminierung durchzuführen. Für das nächste Schuljahr ist bereits eine Projektwoche zum Thema "Europa und Völkerverständigung" vorgesehen.
Just zu der Zeit kam ein Rundbrief von Renate Bonow, der Landeskoordinatorin des bundesweiten Netzwerks "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage", so dass man spontan dem Bündnis beitrat. Bonow hieß kurze Zeit später das Opladener Gymnasium auch offiziell als 179. Teilnehmer willkommen und deutete an, dass demnächst auch zwei weitere Leverkusener Schulen Mitglied würden. Schließlich überreichte sie die Ernennungs-Urkunde an Felix Luther von der Schüler-AG "LLG bleibt bunt".
Abschließend trat Krautmacher ans Mikrofon. Er war vor 18 Jahren aktiv an einem Konzert der Kölner Musikszene unter dem Motto "Arsch huh - Zäng ussenander", beteiligt, zu dem sich 100.000 Menschen in Köln versammelt hatten, um gegen "Rassismus und Neonazis" zu demonstrieren. Den Text des Liedes, das damals gesungen wurde, las Krautmacher noch einmal vor. Dann stimmte er gemeinsam mit dem Unterstufenchor das Lied "Kumm erin" an, das im Übrigen aus der Feder der "Höhner" stammt. Weitere Informationen: http://llg-bleibt-bunt.org.
Quelle: lokale-informationen
